Gaia I

tief im schwarzen all verborgen
zwischen sternen hell
alles scheint wie ausgestorben
nur ein kleines lichtlein grell

dort schlägt ein herz im all
hundert mal im jahr
höre hin und lausche
dem rauschen des wassers


dort schlägt ein herz
dort brennt ein licht
dort wohnt eine zarte seele
du erkennst sie nicht?
spürst du wie sie lebt?
wie es unter deinen füßen bebt?

doch wenn es tag ist
dann regt sich in den blättern leise
ein gar lebendiger wind
so wie wir am leben sind
und du ein teil der erde bist 
ist sie lebenshauch des schwarzen alls 
des tiefen schwarzen alls!

Tsunami ist eine Vertonung des 
Seebebens aus dem Jahre 2004

 

Tsunami

Kenia – einer
Bangladesch – zwei

Tansania – zehn
Malaysia – siebzig

Myanmar – hundert
Somalia – dreihundert

Thailand - fünftausend
Indien - zehntausend

Sri Lanka - fünfzigtausend
Indonesien - hunderttausend

Wir wurden nicht gewarnt!

 



K
yrill

du bist gefürchtet 
du bist verhasst
du bist besessen
von ungeheurer macht

du bist ein dämon
du bist ein teufel
du bist der tod
der schrecken der nacht

du bist die wut
du bist der wahn
du bist der ärger
du bist ein orkan

du bist der sturm
du bist die gewalt
du bist der knall
der durch die lüfte hallt

Kyrill

Kyrill ist die Vertonung des 
gewaltigen Orkans, der über Europa 
Anfang 2007 hereinbrach

 

Gaia II

wind ist atem
sturm ist atemnot
licht ist leben
dunkelheit der tod

arme erde wirst du krank
dass du nicht mehr leben kannst?

du amtest aber schwer
du hast fieber und bist erhitzt es regnet heftig
ach wie du schwitzt

im kern trägst du ein tobendes herz
deine magma wird zur glut
lava erdrückt dein heißes blut
wie es schmerzt - ach wie es schmerzt

arme erde bist du krank 
dass du nicht mehr leben kannst?

 asche verdunkelt die sonne - dein leben
die sterne, den mond
stürme verwüsten die städte
in denen keiner mehr wohnt
es ist ein virus, der in dir thront
ein parasit, der dich nie verschont

wer hat dich nur durchseucht?
wer hat dich nur befallen?
wem bist du nicht gewachsen?

den pflanzen? nein!
den tieren? nein!
den menschen?

 

 

 

Apokalypse

Der erste Engel: 

Da fielen Hagel und Feuer, die mit Blut vermischt auf das Land. Es verbrannte ein Drittel des Landes, ein Drittel der Bäume und alles grüne Gras

Ein Adler flog hoch am Himmel und rief

Der zweite Engel:

Da wurde etwas, was einem großen brennenden Berg glich ins Meer geworfen. Ein Drittel des Meeres wurde zu Blut und ein Drittel der Geschöpfe, die im Meer leben, kam um und ein Drittel der Schiffe wurde vernichtet

Ein Adler flog hoch am Himmel und rief: 
Wehe den Bewohnern der Erde!

Der dritte/vierte Engel:

Da wurde ein Drittel der Sonne und ein Drittel des Mondes und ein Drittel der Sterne getroffen, so dass sie ein Drittel ihrer Leuchtkraft verloren und der Tag um ein Drittel dunkler wurde und ebenso die Nacht

Lyrics taken from the Bible:
Offenbarung des Johannes

 

 

Lyrics from:
Else-Lasker Schüler

Weltende

es ist ein weinen in der welt,
als ob der liebe gott gestorben wär,
und der bleierne schatten, der niederfällt,
lastet grabesschwer.

komm, wir wollen uns näher verbergen ...
das leben liegt in aller herzen
wie in särgen.

du! wir wollen uns tief küssen -
es pocht eine sehnsucht an die welt,
an der wir sterben müssen

 

 

 

Gaia III

sie wehrt sich
sie schützt sich
sie stirbt nicht
sie wehrt sich

nein wir haben nichts gelernt
sie sich weiter noch erwärmt
sie sich immer mehr wehrt

sie wehrt sich
sie schützt sich
sie stirbt nicht  
sie wehrt sich

nein wir können nichts mehr tun
gegen mensch wird sie immun 
auf angriff folgt verteidigung

wir sind doch alle selber schuld
wir haben mit ihr doch keine geduld

und es zeigt sich bis zum schluss
dass der mensch nun sterben muss
der tod schickt uns einen lieben gruß

eines möchte ich noch fragen
sind wir wirklich anzuklagen?
sind wir schuld am tod der erde?
würde sie nicht selbst vergänglich werden?

ist es nicht das gleißend licht
was das leben hier erlischt?
sind es nicht der sonne strahlen
die unheil bringen, tod und qualen?

letztendlich ist es unerheblich
waren ihre schreie doch vergeblich

wir sind ohnehin nur endlich
so werden alle doch versinken
im schwarzen all -
im tiefen schwarzen all!

 

Neue Welt

es ist so heiß hier
das wasser dampft
die seen kochen
die berge sind zerstampft

die pflanzen sind verdorrt
die tiere sind verstört
die menschen begehen mord
weil niemand gott erhört

neue welt 
ich bepflanze dich - wir müssen atmen
ich bewässere dich - wir müssen trinken
ich bewohne dich  - wir müssen leben

wir suchen uns einen neuen planeten
denn wir können unseren nicht mehr betreten

neue welt 
ich bepflanze dich - wir müssen atmen
ich bewässere dich - wir müssen trinken
ich bewohne dich - wir müssen leben

 

 

Kein Mensch sein

wir haben schmerzen
es tut so weh
haben herzen
seit eh und je

wir lieben
und haben angst
oh gott wir machen
was du verlangst

wir fühlen leid
sind hasserfüllt
wolln gerechtigkeit
in dieser schlechten welt

wir schreien
vor lauter qual
oh gott wir haben
doch keine wahl

ich will kein mensch sein

ich muss bereit sein
muss mich mehren
muss mich freuen
doch pein gewähren

ich muss hassen
oh eifersucht!
und leben lassen
oh gott ich bin
von dir verflucht! 

ich will kein mensch sein

ich will leben
doch nicht als mensch
ich muss sterben
ich bin doch mensch

ich will kein mensch sein - nein
ich hasse mich!

 

 

 

 

 

 

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produziert und aufgenommen von  Benjamin Pusl 
weibliche Stimme auf Kyrill von Veronika Reimers
gemixt und gemasterd von Thomas Adl-Amini
Illustrationen und Artwork von Jutta Maria Pusl
Fotos von Daniela Braunschober

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